Ökostrom: wirklich grün oder Greenwashing?
Über 90 Prozent der deutschen Stromtarife tragen inzwischen ein Öko-Label. Doch der Unterschied zwischen echtem Klimanutzen und geschickter Vermarktung ist für Verbraucher kaum sichtbar. Dieser Ratgeber ordnet ein, was hinter den Begriffen steckt.
Wie Ökostrom überhaupt entsteht
Physikalisch lässt sich Strom im Netz nicht nach Herkunft trennen – aus der Steckdose kommt immer der gleiche Strommix. Wenn Sie einen Ökostromtarif buchen, kaufen Sie deshalb nicht direkt Elektronen aus einem Windpark, sondern die kaufmännische Zusicherung, dass für Ihren Verbrauch eine entsprechende Menge Strom aus erneuerbaren Quellen erzeugt wurde. Grundlage dafür ist das System der Herkunftsnachweise, das vom Umweltbundesamt verwaltet wird. Für jede erzeugte Megawattstunde Grünstrom wird ein Herkunftsnachweis ausgestellt, der genau einmal an einen Endkunden weitergegeben werden darf. So soll Doppelvermarktung verhindert werden.
Das Problem mit den Herkunftsnachweisen
Herkunftsnachweise können separat vom eigentlichen Strom gehandelt werden. Ein Anbieter kann also konventionellen Graustrom einkaufen und diesen mit günstig zugekauften Nachweisen aus alten, längst abgeschriebenen Wasserkraftwerken – vor allem aus Norwegen – bilanziell zu Ökostrom aufwerten. Rechtlich ist das korrekt, doch der zusätzliche Klimanutzen tendiert gegen null, weil dadurch kein neues Kraftwerk entsteht. Genau hier setzt der Vorwurf des Greenwashings an: Grün etikettiert, aber ohne echten Beitrag zur Energiewende. Ein solcher Herkunftsnachweis kostet den Anbieter teils nur wenige Cent pro Megawattstunde.
Welche Gütesiegel wirklich etwas aussagen
Anders als reine Herkunftsnachweise stellen unabhängige Gütesiegel zusätzliche Anforderungen an den Ausbau erneuerbarer Anlagen. Als besonders anspruchsvoll gelten das Grüner Strom Label und das ok-power-Siegel. Beide verlangen, dass ein fester Betrag pro Kilowattstunde in neue Erzeugungsanlagen oder Energiewende-Projekte fließt und dass ein Teil des Stroms aus vergleichsweise jungen Anlagen stammt. Der TÜV-Nord- und TÜV-Süd-Nachweis prüft dagegen vor allem die bilanzielle Grünstrom-Herkunft, ohne zwingend einen Neubau-Effekt zu garantieren. Wer echten Zusatznutzen möchte, achtet daher auf die beiden erstgenannten Label.
Was echter Ökostrom kostet und wie Sie wechseln
Der Aufpreis für zertifizierten Ökostrom ist 2026 überraschend gering. Zwischen einem gewöhnlichen Grünstromtarif und einem streng zertifizierten Angebot liegen häufig nur 0,5 bis 1,5 Cent pro Kilowattstunde. Bei einem Musterhaushalt mit 3.500 kWh Jahresverbrauch macht das rund 18 bis 53 Euro im Jahr aus – ein überschaubarer Betrag für einen nachweisbaren Beitrag zur Energiewende. Der Wechsel selbst dauert wenige Minuten, der neue Anbieter übernimmt die Kündigung, und die Versorgungssicherheit bleibt jederzeit garantiert, weil der Netzbetreiber unverändert derselbe bleibt.
Fazit
Ökostrom ist nicht automatisch Greenwashing – aber auch nicht automatisch klimawirksam. Entscheidend ist, ob hinter dem Tarif echte Investitionen in neue Anlagen stehen oder nur zugekaufte Nachweise aus abgeschriebenen Altkraftwerken. Verlassen Sie sich nicht auf grüne Werbebilder, sondern auf unabhängig geprüfte Gütesiegel und transparente Herkunftsangaben. Prüfen Sie jetzt geprüfte Ökostromtarife mit dem Volt-Gas Tarifrechner und finden Sie ein Angebot, das günstig und glaubwürdig grün ist.